450-Jahr-Feier: Festakt am 3.02.2011

„Zukunft braucht Herkunft“- wie ein Motto lag dieser Ausspruch Odo Marquards über der Akademischen Feier am 3. Februar anlässlich der 450-Jahr-Feier unserer Schule.
Unser Schulleiter Dr. Heim konnte zahlreiche Gäste begrüßen, unter ihnen Ministerin Doris Ahnen, die den Festvortrag hielt.
Eine lange und große Geschichte prägt unsere Schule. Berühmte Personen sind aus ihr hervorgegangen, z.B. Karl Marx, Oswald von Nell-Breuning, Josef Höffner, Peter Wust, Carl-Ludwig Wagner, Christoph Grimm, Christoph Böhr, Bernhard Wabnitz, Michael Matheus - um nur einige zu nennen.
Höhen und Tiefen gab es in der Geschichte der Schule - hier nur wenige markante Punkte: 1561 wird das Kolleg im Zuge der Gegenreformation von den Jesuiten gegründet mit den Fächern Logik, Rhetorik und Humanität; 1773 wird die Schule dem Kurfürsten Klemens Wenzeslaus unterstellt und später der französischen Administration; 1815 wird das collège Königlich-Preußisches Gymnasium; 1896 erhält es nach dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. den bis heute geltenden Namen.Eine Besonderheit der Schule ist das ihr von 1840 bis 1990 verbundene Bischöfliche Konvikt, das mit Hilfe einer Stiftung (Weinberge) bedürftigen Schülern den Gymnasiumsbesuch ermöglichte – ein Weg zu „Bildgungsgerechtigkeit“ (Dr. Herbert  Hoffmann vom Bischöflichen Generalvikariat in seinem Grußwort) und ein Grund, warum so viele Priester und Philosophen aus dieser Schule hervorgegangen sind. 1966 hat das erste Mädchen am FWG Abitur gemacht; das gebe Hoffnung, so Bürgermeisterin Angelika Birk in ihrem Grußwort, dass die Liste berühmter Schüler des FWG in Zukunft auch durch Frauen ergänzt werde.


Die Tradition bewahren und die Zukunft offen und gestaltend angehen
– das war der Grundtenor aller Festredner/innen.
War das Gymnasium doch entstanden, um dem in Trier wirkenden Reformator Caspar Olevian von katholischer Seite etwas entgegenzusetzen, und hat man der katholischen Tradition entsprechend alle bisherigen großen Jubiläen mit einer festlichen Eucharistiefeier in Konzelebration begonnen, so stand zu Beginn der jetzigen Festveranstaltung ein ökumenischer Gottesdienst, geleitet von Dechant Georg Goeres und Superintendent Christoph Pistorius, beide ehemalige FWG-Schüler, die in Verbundenheit mit der Schule und ökumenischer Freundschaft die Schulgottesdienste feiern.
Seinen rein altsprachlichen Zweig hat das FWG 1978 aufgegeben und einen neusprachlichen Zug, beginnend mit Englisch, eingerichtet; 1999 wurde die vorgezogene zweite Pflichtsprache in der 6. Klasse eingeführt und 2005 das Modell „Latein plus“, das den Schüler/innen das gleichzeitige Erlernen von Latein und Englisch ab Klasse 5 ermöglicht. Mit Latein, Griechisch, Englisch, Französisch und Italienisch sei die Schule heute gut aufgestellt mit einem differenzierten, pluralen Sprachenangebot, so die Ministerin, und ihre Leistungsfähigkeit könne man an den vielen Erfolgen bei den Sprachwettbewerben sehen.
Als weitere Akzente, nachhaltig in die Zukunft gesetzt, nannte die Ministerin die Auszeichnung des FWG als „Partnerschule des Sports“ und die Führungsrolle im europäischen Projekt „Sport und Wissenschaft“, die Methodentage in Orientierungs- und Mittelstufe sowie das Rhetorik-Projekt der Oberstufe in Kooperation mit der Europäischen Akademie Otzenhausen, die Teilnahme am Landesprogramm „Medienkompetenz macht Schule“, die Kooperation mit zahlreichen außerschulischen Partnern aus Wissenschaft und Bildung (RWE, Universität Trier-Kaiserslautern, Fachhochschule Trier, IHK Trier), die zahlreichen Schüleraustauschprogramme sowie die Einführung des Faches „Darstellendes Spiel“ (2007). Ein besonderes Anliegen war der Ministerin, die Vorreiterrolle des FWG im Bereich Kooperation mit Wissenschaft und Wirtschaft zu betonen, seine differenzierte Berufs- und Studienorientierung sowie die Erstellung eines Berufswahlportfolios. Wiederholt wies sie hin auf die verbindlichen Vereinbarungen zur Studien-und Berufsorientierung sowie eine gute Vernetzung von Schule, Wissenschaft und Wirtschaft und riet, zur Verfügung stehendende authentische Information zu nutzen.

Eine besondere Rolle spielen hier die sich dem FWG verbunden fühlenden Vereine, für die Rainer Richarts sprach. Der Förderverein unterstützt die Schule bei der Verwirklichung ihrer Anschaffungswünsche; die Stiftung „res et verba“, die die besondere humanistische Tradition des Gymnasiums fortführt und weiterentwickelt, fördert herausragende Bildungsprojekte; der 1928 gegründete Ehemaligenverein kümmert sich um ehemalige Schüler und Lehrer, veranstaltet regelmäßig Jahrgangstreffen und gibt zweimal im Jahr eine Publikation für die Mitglieder heraus; zudem rekrutiert er Alumni, die Schülern und Ehemaligen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Auf dem humanistischen Bildungsideal fußend, eine breite und ganzheitliche Bildung anstrebend, sich den Herausforderungen der Zeit stellend und stets geleitet von der Suche nach Wahrheit – das ist der Faden, der sich jenseits aller vielleicht verengten und einseitigen Bildungsschwerpunkte über die Jahrhunderte hinweg herauskristallisiert. Und das gibt unserer Schule aus einer 450jährigen Vergangenheit heraus ihre Zukunft.

Auf spielerische Art, in witzig-ernstem Unterton und mit kritischem Blick haben die Schüler/innen etwas von diesem Anspruch erkennen lassen in den hervorragenden Darbietungen im „Darstellenden Spiel“, in denen sie z.B. die Problematik des „kopflosen“ Menschen, die Methodik des Lateinunterrichts oder auch die Rahmenbedingungen des Schullebens, angefangen von finanziellen Nöten bis hin zur Begleitung durch die AQS, näher „unter die Lupe“ nahmen.
Nicht zu vergessen sind die anspruchsvollen Beitrage von Chor und Orchester (Festmotette von Stephan Cosacchi im Gottesdienst und musikalisches Intermezzo „Graculus superbus et pavo“ aus Aesopia von Jan Novàk beim Festakt) sowie der FWG-Jazzband („Puttin` on the ritz“ von Irvin Berlin und Schoolboy von Wxnton Marsalis).  
Marlies Lehnertz-Lütticken