„Das Schmackeduzchen“ am FWG (22.06.2016)

Was darf Satire? – eine aktuelle Frage! In einer äußerst kurzweiligen, zu Nachdenken und Kritik, aber auch zum Schmunzeln anregenden Aufführung konnten unsere Oberstufenschüler heute in einer „Uraufführung“ die deutsche Chansonette und Kabarettistin Claire Waldoff (1884 - 1957) kennenlernen.

Glück hatte unsere Schule, bei der Auslosung der Veranstaltungsorte des Bundesprogramms „Demokratie leben“ gewonnen zu haben.

Claires Leben spiegelt die Verhältnisse in den drei Epochen Kaiserzeit, Weimarer Republik und III. Reich wider. Hier einige Blitzlichter der Aufführung:

„Brav sein“, das hatte man ihr in Elternhaus und Erziehung schon mit Kinderbüchern wie „Der Struwelpeter“ beigebracht.

Claire kommt im Jahr 1906 aus der Provinz in die Reichshauptstadt und will die Berliner Bevölkerung unterhalten: und „nach ihr und ihren Beenen is janz Berlin verrückt“.

Doch langsam ist ihr Programm nicht mehr nur unterhaltend, sondern zunehmend kritisch: „Ach Jott, wat sind die Männer dumm …" - "Ach Jott, wat sinn wir Weiber dumm."

Einerseits kritisch, andererseits gefeiert als Berliner Original!
Dazu Claire: Was ist ein Original? Was ist echt? Das Leben ist eine Komödie. Auf der Bühne geht es ehrlicher zu als im Leben.

Nachdem Claire Walldorf ihre Erfahrungen mit der Zensur gemachst hat und zudem ein guter Freund im Krieg gestorben ist, wird ihr Leben zunehmend politisch ...

Satire:
Sie bläst Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird.
Was darf Satire? Alles!
Echte Satire ist blutreinigend.
Tucholsky 1929: Ich habe mit diesem Land nichts mehr zu schaffen.
Claire: Ich werde auch stiller, aber ich verstumme nicht.
Ich werde leiser sein, um besser gehört zu werden.

In Erinnerung an Tucholsky: Mutterns Hände
Hast uns Stulln jeschnitten
un Kaffe jekocht
un de Töppe rübajeschohm –
un jewischt und jenäht un jemacht und jedreht ...
alles mit deine Hände.
Hast de Milch zujedeckt,
uns Bobongs zujesteckt
un Zeitungen ausjetragen –
hast die Hemden jezählt und Kartoffeln jeschält ...
alles mit deine Hände.
Hast uns manches Mal bei jroßen Schkandal
auch 'n Katzenkopp jejeben.
Hast uns hochjebracht.
Wir wahn Sticker acht,
sechse sind noch am Leben ...
Alles mit deine Hände.
Heiß warn se un kalt. Nu sind se alt.
Nu bist du bald am Ende.
Da stehn wa nu hier,
und denn komm wir bei dir
und streicheln deine Hände.

Im Gespräch mit dem Rittmeister:
Er: Singen Sie, spielen Sie, leben Sie.
Sie: Vielleicht mach ich mir ja zu viele Gedanken.
Er: Die große Politik ist nicht Ihre Sache.
Sie stehen auf der Bühne und die stehen ihren Mann.
Wir brauchen keine Volksmeinung, wir brauchen Fachmänner.

Zur Emanzipation:
Raus mit den Männern aus dem Reichstag, und raus mit den Männern aus dem Landtag, und raus mit den Männern aus dem Herrenhaus, wir machen draus ein Frauenhaus!
Die Männer haben alle Berufe, sind Schutzmann und sind Philosoph, sie klettern von Stufe zu Stufe,
in der Küche stehen wir und sind doof.
Sie bekommen Orden, wir bekommen Schwielen,
liebe Schwestern, es ist eine Schmach.
Ja sie trauen sich gar, die Politik zu spielen,
aber, na, die ist ja auch danach!
Raus mit den Männern … Hatten wir je eine Wahl?

In der Trierer Uraufführung singt und spielt Katja Büdinger die Titelfigur.
Als Conférencier und Widerpart Claires agiert der aus Edgar Reitz´"Heimat" bekannte Darsteller Johannes Metzdorf.
Choreografie: Monika Wender
Am Klavier: Klauspeter Bungert
Buch und Regie: Karsten Müller

Wir sagen allen ganz herzlichen Dank!!!
Dank für das das "Spielen" und Dank für die Bereitschaft, im Anschluss daran über das Stück zu sprechen und die Themen mit unseren Schülern und Schülerinnen zu diskutieren.

MLL