Griechisch lernen heute - ein Pladoyer

Griechisch am FWG – ein Plädoyer für eine gar nicht so tote Sprache!

„Ich grüße das Geschick, das mir eine humanistische Bildung hat zuteil werden lassen. Die griechischen und römischen Klassiker wollte ich um die Welt nicht aus meiner Erinnerung entfernt wissen. Ich glaube überhaupt, dass in unserer gegenwärtig vorwiegend auf äußere Nützlichkeitsinteressen eingestellten Zeit das humanistische Gymnasium wichtiger ist als je. Die Jugend muss darauf hingewiesen werden, dass es noch Genüsse anderer Art gibt als solche, die sich auf materielles Gebiet oder Ersparnis von Zeit und Geld beziehen.“

Diese Aussage des Physikers und Nobelpreisträgers Max Planck, zu finde in einem Brief von 1943 an das Maximiliansgymnasium in München, führt unmittelbar zu der Frage nach dem „Warum“. Warum sollen junge Menschen heute noch Griechisch lernen? Schließlich gehört Griechisch doch zu den alten, sprich: toten Sprachen – ist vielfach zu hören.

Warum heute noch Griechisch?

Gleich hier muss jedoch mit einem solchen Vorurteil gründlich aufgeräumt werden. Griechisch ist alles andere als tot! Im Gegenteil: Griechisch lebt weiter. Keine andere europäische Sprache kann ein Kontinuum von über 3000 Jahren aufweisen – vom Altgriechischen bis hin zum Neugriechischen, das heute das antike Alphabet und viele alte Wörter weiter nutzt. Die griechische Sprache hat nie aufgehört gesprochen zu werden, sie unterlag freilich Veränderungen, denen alles Lebendige unterliegt, aber sie weist keine Lücke auf!

Bei der Frage „Warum heute noch Griechisch?“ ist in aller erster Linie der Aspekt der Bildung ins Visier nehmen. Was ist Bildung? Bildung ist scharf zu unterscheiden von AUS-Bildung. Bildung ist ein wesentliches Element des gymnasialen Bildungsgangs. Bildung ist zunächst nicht das, was sich unmittelbar in barer Münze auszahlt! Bildung fragt nicht primär nach dem vordergründigen Nutzen. Deshalb sollte man von vorne herein bei der Frage nach dem „Warum heute noch Griechisch?“ nicht allein von Nützlichkeitserwägungen leiten lassen.

Natürlich macht es Sinn, sich im Rahmen eines immer mehr zusammen wachsenden Europa mit europäischen Sprachen zu beschäftigen. Aber es macht ebenso Sinn, die gemeinsamen kulturellen Wurzeln ins Bewusstsein zu heben. Gerade in der toleranten Auseinandersetzung mit anderen Kulturen ist eine Schärfung der eigenen Position notwendig. Bundespräsident Horst Köhler hat einmal gesagt: „Zur eigenen Identität gehört das Bewusstsein der eigenen Kultur und Geschichte.“ Die Identität des modernen Europa und die abendländische Kultur ist aber ohne die Griechen nicht denkbar. Sie sind - neben dem römischen Recht und dem Christentum - eine der Säulen, auf denen unsere Kultur ruht. Sie sind eine der Wurzeln, aus denen unsere Kultur gewachsen ist und lebt, eine der Quellen, aus der unsere Kultur schöpft. Ein paar Beispiele in aller Kürze: Physik, Biologie, Medizin, Geographie, Geschichte, Philosophie sind Wissenschaften, die in Griechenland entstanden und weiter entwickelt wurden, Demokratie und Theater gäbe es ohne die Griechen nicht. Die großen Philosophen Sokrates, Platon und Aristoteles stellten Frage nach Ethik und Moral und nach dem menschlichen Miteinander in Staat und Gesellschaft.

In diesem Sinne ist auch der Griechischunterricht am FWG von der ersten Minute an – schon in Texten des Lehrbuches – Wertevermittlung, Persönlichkeitserziehung und Charakterbildung. Schon ab der allerersten Lektion werden grammatikalische Phänomene an Sinn und Wert stiftenden und das Nachdenken anregenden einfachen Grundgedanken antiker Philosophen und Literaten erarbeitet.

Ein schönes Beispiel dafür ist die Geschichte vom wilden und zahmen Esel im zweiten Teil er Lektion 5 des Lehrbuches „Ars Graeca“, in der schon in einem frühen Stadium des Griechischunterrichts die Frage nach dem Wert der Freiheit (Motto: Freiheit ist nicht umsonst zu haben!) thematisiert und aktualisiert werden kann.

Eine solche Vermittlung von Orientierung scheint gerade heute in unserer Welt mit all ihrer Pluralität und ihren vielen Angeboten nicht unangebracht. Griechische Denker haben auch uns heute noch so einiges zu sagen, denn schließlich hat sich – wie bereits der antike Geschichtsschreiber Thukydides messerscharf analysierte – der Grundcharakter des Menschlichen in mehr als 3000 Jahren nicht geändert.

Ein nicht unerheblicher Aspekt am Rande, der dann doch auch einen handfesten Nutzen mit sich bringt: Mit Griechisch-Kenntnissen wird die Erschließung von wissenschaftlichen Fachbegriffen leichter, denn die internationale Wissenschaftsterminologie bedient sich bis heute griechischer (und lateinischer) Wortwurzeln. Als Beispiele seien hier vor allem aus dem medizinischen Bereich die Hyper- und Hypotonie  (Blutunter- und Bluthochdruck) oder die Presbyopie (Alterskurzsichtigkeit) genannt. Und einem Kenner der griechischen Sprache muss man nicht näher erklären, dass das EEG, das sogenannte „Elektro-Encephalo-Gramm“ etwas mit der Aufzeichnung der Gehirnströme (encephalo – griechisch: das Gehirn) zu tun hat!

Wie wird heute Griechisch am FWG unterrichtet?

Eine bei der Wahl der dritten Pflichtfremdsprache ebenso interessante Frage lautet: „Wie wird heute Griechisch unterrichtet?

Die Sprache der alten Griechen ist (wie das Lateinische) eine Schriftsprache, das heißt: sie wird so gesprochen wie sie geschrieben wird. Das zunächst fremde Alphabet wirkt auf den Anfänger vielleicht abschreckend, aber Erfahrung zeigt, dass das Erlernen neuer Schriftzeichen für Schüler dieser Altersklasse eher motivierend ist.

Im Mittelpunkt des Griechischunterrichts steht (wie im Lateinischen) die Übersetzung von der Fremdsprache ins Deutsche. Die Unterrichtssprache ist Deutsch.

Die Grammatikphase, in der sich der Schüler mit Formenlehre und Syntax beschäftigt, umfasst in der Regel anderthalb bis zwei Jahre (Kl.8 und 9). Viele Phänomene aus Grammatik und Lexik sind den Schülern aus dem voran gegangenen Lateinunterricht bekannt – die Schüler profitieren also aus dem griechischen Unterricht in nicht unerheblichem Maße für das Fach Latein. Wie bereits oben erwähnt, wird aber von Anfang an auch inhaltlich und interpretatorisch gearbeitet. Moderner Griechischunterricht besteht eben nicht mehr nur aus Pauken und Auswendiglernen, sondern wählt und bezieht die Textinhalte auch auf die Lebenswelt der Schüler. Ebenso werden von Anfang an Bezüge zur Archäologie hergestellt und das neugriechische Sprache mit einbezogen. In der Grammatikphase werden 5 Klassenarbeiten pro Jahr geschrieben, die aus zwei Teilen (Übersetzung eines Textes aus dem Griechischen ins Deutsche) und verschiedenen grammatischen Übungen) bestehen. Zur Notenermittlung werden auch andere Leistungsnachweise (Hausaufgabenüberprüfungen, kleinere Grammatik- oder Vokabeltests, Referate, mündliche Mitarbeit im Unterricht) herangezogen.

Die Lektürephase umfasst die Jahrgangsstufen 10 bis 13. Im Mittelpunkt stehen jetzt originale Texte zu den Problemfelder Politik und Gesellschaft, Anfänge der Geschichtsschreibung, Philosophie un Theater. An die Anfänge der europäischen. Literaturgeschichte werden die Schüler durch die Lektüre von Passagen aus Homers Ilias oder Odyssee herangeführt. Vertieft wird die Behandlung der Textstellen durch Dokumentationsfilme. Ein Besuch der Antikenfestspiele mit Vor- und Nachbereitung anhand von Originaltexten steht ebenfalls auf dem Pflichtprogramm. Ein besonderes Angebot an die Griechisch-Schüler der MSS bildet eine etwa 10tätige Studienfahrt nach Griechenland, die im Fahrtenprogramm des FWG verankert ist und turnusgemäß bei genügend großer Teilnehmerzahl im Frühsommer stattfindet. Die Leistungsfeststellung erfolgt im Leistungskurs durch zwei Kursarbeiten und mehrere andere Leistungsnachweise pro Halbjahr (Bewertungsverhältnis schriftlich/mündlich im Verhältnis 1:1), im Grundkurs dagegen durch eine Kursarbeit und diverse andere Leistungsnachweise (Bewertungsverhältnis schriftlich/mündlich hier im Verhältnis 1:2).
Bei ausreichender Leistung am Ende der Jahrgangsstufe 13 wird dem Absolventen des Kurses das sogenannte „Graecum“ erteilt, das immer noch für manche Studiengänge (z.B. Theologie, Archäologie) erforderlich ist.

Sehr positiv auf den gesamten Griechischunterricht wirkt sich die meist kleine Lerngruppe aus, in der bei familiärer Atmosphäre ein individuelles Eingehen auf Stärken und Schwächen viel eher möglich ist als in großen Lerngruppen.

Welcher Schüler ist für das Erlernen des Griechischen besonders geeignet?

Die Erfahrung zeigt, dass ein bestimmter Lerntypus mit der altgriechischen Sprache, die ja – wie das Lateinische – mehr eine Reflexions- als eine Kommunikationssprache ist, klar kommt. Dieser Schülertyp lässt sich in Kürze wie folgt beschreiben:

er sucht die Reflexion, das Nachdenken über Sprache
er lernt durch Erkennen- und Verstehen-Wollen
er sucht die theoretische Grundlage
er hat eher Interesse an überzeitlichen Stoffen, an Mythologie, an Geschichte
er erkennt durch genaues Hinsehen, Beobachten, Einordnen
er geht Ursachen auf den Grund
er geht systematisch-bewusst vor
er besitzt großes Lese-Interesse
er ist eher nach innen orientiert
er ist nicht so leicht zugänglich, aber aufnahmebereit
er ist behutsam und nachdenklich
er ist insgesamt eher der gründlich-analytische Typ

Der so beschriebene Schülertyp findet sich unseren Erfahrungen zufolge mit der griechischen Sprache gut zurecht. Wir haben auch beobachten können, dass Schüler, die gerne Latein lernen, Freue am Erlernen des Griechischen haben.

FAZIT

Zukunft verlangt Herkunft, oder anders: Nur wer weiß, wo er herkommt, weiß auch wohin er geht!

Unter diesem Motto macht der Griechisch-Unterricht auch heute noch Sinn – völlig unabhängig vom Berufswunsch. Die Tatsache, dass viele Absolventen altsprachlicher Bildungsgänge erfolgreich ihren Berufs- und Lebensweg gegangen sind – und das meist in ganz anderen Bereichen! – zeigt, dass junge Menschen, auch wenn sie oder gerade weil sie Griechisch gelernt haben, beste Chancen haben, im Studium, Beruf und Leben erfolgreich zu bestehen. Bezeichnend hierfür ist eine Aussage von Egon Zehnder, dem ehemaligen Leiter einer europäischen Management-Beraterfirma, in einem Interview im „manager-magazin“:

„Für mich ist eine gute humanistische Grundausbildung nach wie vor eine hervorragende Ausgangssituation für einen Manager. Nach meinen Erfahrungen ist dieses Allgemeinwissen die beste Voraussetzung für die Fähigkeit, komplexe Probleme in einem sich rasch verändernden Umfeld wahrzunehmen und zu begreifen. (…) Latein, Griechisch, alte Geschichte, Kunstgeschichte, Chemie, Physik – das sind Fächer, die in der Schulzeit gepflegt werden müssen. (…) Ich bin davon überzeugt, dass der Vorstandsvorsitzende, der sechs Jahre Griechisch gelernt hat, gegenüber allen Kollegen Vorteile hat – nicht, weil er seine Rede mit griechischen Zitaten schmücken kann, sondern weil diese Ausbildung das Denken prägt.“

Der Trend zu Griechisch ist bundesweit ungebrochen, neueste Zahlen - vorgelegt vom Deutschen Altphilologen-Verband (DAV) auf der Vertreterversammlung im Februar 2009 - zeigen: Die Zahl der Griechisch-Schüler ist im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent gestiegen. 15.909 Griechisch-Schüler in Deutschland können nicht irren! Zwar ist das Erlernen des Griechischen nicht unbedingt „Mainstream“, aber man muss nicht jedem Trend nachlaufen, im Gegenteil: Man kann auch mal etwas Besonderes, Exklusives lernen, was nicht jeder macht. Dazu ist jetzt eine einmalige Gelegenheit, oder wie der antike Grieche sagt: ein KAIROS!

Noch ein Hinweis auf den besonderen Charakter des FWG: Die Entscheidung für das FWG bedeutet für viele auch eine gewisse Grundsatzentscheidung für einen sprachlich-humanistisch orientierten Bildungsweg. Viele Eltern haben sich bewusst für einen Anfang mit Latein entschieden, eine Entscheidung für das Griechische ist da eigentlich nur konsequent! Das Erlernen der französischen Sprache – gerade in unserem Grenzraum im Dreiländereck Deutschland – Frankreich – Luxemburg ein nicht unwichtiger Faktor – muss dabei nicht auf der Strecke bleiben: Bei einer genügend großen Anzahl von Interessenten wird am FWG für die Griechisch-Schüler eine Arbeitsgemeinschaft Französisch eingerichtet!

Erlaubt sei zum Schluss ein ganz persönliches Wort: Der Autor dieses Textes hat an dieser Schule selbst vor mittlerweile 35 Jahren Abitur gemacht – mit 9 Jahren Latein- und 5 Jahren Griechischunterricht. Er ist nach wie vor vom Wert des GR überzeugt und davon begeistert, weil er im Laufe meines Lebens die Erfahrung gemacht hat, wie positiv ihn dieses Fach geprägt und wie viel es ihm in seiner persönlichen Entwicklung und der Entwicklung seiner Lebensgrundhaltungen gegeben hat. Deshalb ist er heute noch dankbar, dass er diese Gelegenheit (KAIROS) – mit Unterstützung seiner Eltern, die übrigens als Nichtakademiker keine Ahnung vom Griechischen hatten! – nutzen durfte.

„meine junge tochter fragt mich
griechisch lernen wozu
sym-pathein sage ich
eine menschliche Fähigkeit
die tieren und maschinen abgeht
lerne konjugieren
noch ist griechisch nicht verboten“

(Dorothee Sölle)

Graecum als Abschluss

Voraussetzung für den Erwerb des Graecums:
Griechisch von Kl. 9 bis Jg. 13 einschließlich
(Griechisch 3. Pflichtfremdsprache im „Latein plus“-Modell)
mit Note „ausreichend“ (05 MSS-Punkte) im Abiturzeugnis

Griechisch-Olympiade 2017

Die Sieger der Griechisch-Olympiade 2017: Leander Gebhardt, Doran Spanier und Lukas Weimer.

Studien-Rundreise durch Griechenland (Juni 2017) - Respekt vor Leistungen der Antike

Griechenland entgegen - auf der Fähre
Ankunft in Igumenitsa
Am Themopylen-Denkmal
Am Leonidas-Denkmal in Sparta
Auf der Agora in Athen
Auf der Akorpolis in Athen
DS-Aufführung in Epidaurus
DS in Epidaurus
Vor dem Löwentor in Mykene
Im neuen Akropolis-Museum (Athen)
Byzantinische Festungsstadt Mytras
Theater von Epidauros
Referat in Olympia
Start zum Lauf in Olympia

Verfahren in Sparta! Weit und breit keine Spur vom Leonidas-Denkmal. Wir waren in einem Vorort gelandet. Umkehren ist angesagt. Ein alter Mann am Straßenrand beobachtet unseren Bus, erkennt die Situation, winkt uns zu sich. „Sparti? Agalma Leonidas?“ fragt er. Ja, genau da wollen wir hin. „Ich fahre mit euch und zeige es euch“, gibt er uns zu verstehen. Gesagt, getan. Ein paar Kilometer später, am Denkmal angekommen, verabschiedet er sich, wünscht uns noch einen schönen Tag und winkt uns nach. Wie er wieder nach Hause kommt? Das wissen wir nicht. Praktizierte griechische Gastfreundschaft, gepaart mit einem gewissen Stolz auf die ruhmreiche Vergangenheit der eigenen Heimat – einer der vielen nachhaltigen Eindrücke, mit denen 23 Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums am Pfingstmontag von ihrer 11tägigen erlebnisreichen Studienreise aus Griechenland zurückkehrten.

Natürlich standen die klassischen antiken Stätten im Mittelpunkt des abwechslungsreichen Fahrtenprogramms. Im alten Zeus-Orakel in Dodona, wo die Priester aus dem Rauschen der heiligen Eiche und dem Gurren der in ihr nistenden Tauben die Zukunft voraussagten, und in Delphi setzten sich die FWG-Schüler mit der antiken Orakelpraxis auseinander; in Delphi stiegen sie – mit Blick auf die atemberaubende Landschaft im Parnass-Gebirge - dieselbe heilige Straße zum Apollo-Heiligtum hinauf wie die Pilger vor 2500 Jahren und konnten oben am Tempel in einer mit Hilfe von schwarzen und weißen Steinen nachempfundenen Kleromantie sogar die Wirkung des Orakels nachempfinden. Der Gedanke der Freiheit, der sich von der Antike bis zur Moderne wie ein roter Faden durch Griechenlands Geschichte zieht, wurde an den Thermopylen und in den Ruinen von Sparta ebenso thematisiert wie die Instrumentalisierung des Mythos von den Leonidas und seinen 300 Spartiaten in dunklen Zeiten deutscher Geschichte. Gewaltigen Respekt vor den Leistungen der alten Griechen erzeugte der Besuch auf der Akropolis in Athen, der Geburtsstadt der westlichen Demokratie. Die Besteigung des Areopags, des ältesten Gerichtshofs in der Geschichte des Abendlandes, erlaubte einen grandiosen Ausblick auf die Hochstadt Athens und die darunter gelegene Agora, in der die FWG-Schüler in Form eines Rollenspiels ein antikes Scherbengericht nachgestalteten.

Die Festung des Agamemnon mit ihren kyklopisch anmutenden Mauern und dem Löwentor sowie das Kuppelgrab des Atreus vermittelten einen nachhaltigen Eindruck der mykenischen Kulturepoche. Beim Besuch im Asklepios-Heiligtum in Epidauros erhielten die Fahrtteilnehmer einen Einblick in den ganzheitlichen Therapie-Ansatz des antiken Kurzentrums, in dessen Rahmen auch das Theater in Form einer kathartischen Wirkung eine entscheidende Rolle einnahm. Schülern der DS-Kurse war es sogar möglich, auf dieser weltberühmten Bühne Günter Grass´ Gedicht „Europas Schande“ in Szene zu setzen. Auch in Olympia wurden die FWGler aktiv: Im ältesten Stadion Europas starteten sie zum Stadionlauf – Leonard Helbrecht erwies sich dabei als der Schnellste und konnte als „Olympia-Sieger“ des FWG eine Läufer-Skulptur aus Bronze als Siegespreis entgegennehmen, der ihn sicherlich noch lange an diesen „historischen“ Wettlauf erinnern wird. In Korinth riefen die hoch ragenden monolithischen Säulen des Apollontempels Erstaunen hervor, ansonsten konnten in diesem Handelszentrum der Antike, in dem an der berühmten Rednertribüne im ersten Jahrhundert nach Christus der Apostel Paulus zu missionieren versuchte, überwiegend römische Überreste besichtigt werden. An den gleich Adlerhorsten auf den Meteora-Felsen thronenden Klöstern am nördlichen Rand der thessalischen Ebene und in der byzantinischen Ruinenstadt Mystras am Rande des Taygetos-Gebirges wurden das griechische Mittelalter und die Orthodoxie lebendig.

An jeder archäologischen Stätte kam auch die griechische Sprache zu ihrem Recht. In der eigens für die Fahrt erstellten Textausgabe wurden Textpassagen der klassischen Autoren übersetzt, rezitiert und mit Bezug auf die Archäologie interpretiert. Durch Referate hatten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv auf die Fahrt vorbereitet und waren so in der Lage, vor Ort die Führung zu übernehmen. Durch Schüler-Vorträge wurde auch das moderne Griechenland mit seiner Geschichte, Geographie und Wirtschaft in den Blick genommen. Und so konnte am Ende der Fahrt in einer Reflexionsphase auf der Fähre so manches von Vorurteilen geprägte Bild Griechenlands doch korrigiert, gewandelt oder ergänzt werden. Eines hatten die FWG-Schüler bei ihrem Griechisch-Unterricht an originalen Schauplätzen aber auf jeden Fall gewonnen: Gehörigen Respekt vor den Leistungen der Menschen der Antike!

Josef Frisch

Unsere Fotos vermitteln erste Reiseeindrücke.

In der folgenden pdf-Datei findet ihr ein Reisetagebuch von Sophia Münt (Jgst. 11)

Griechenlandfahrt Juli 2014 - ein Reisetagebuch

„Wanderer, kommst Du nach Sparta …“

Das Tagebuch der Griechenlandfahrt 2014 – von Dorothea Leiter

6. Juli 2014

Kalimera aus Griechenland!

Ein komisches Gefühl jetzt wirklich hier zu sein. Wir haben uns so lange auf diese Reise vorbereitet und gefreut und jetzt geht es endlich los!

Wir sind auf dem Weg zu den Meteora-Klöstern und trotz vielen Stunden im Bus und auf der Fähre ist unsere Laune super.

*später*

Die Meteora-Klöster lassen sich eigentlich kaum mit Worten beschreiben. In einem Tal erheben sich einfach so riesige Felskomplexe, glatt und steil. Auf ihren Spitzen scheinen die Klöster aus dem Fels heraus zu wachsen. Die Mönche und Nonnen sind früher mit Strickleitern und Flaschenzügen hinaufgekommen. So abgeschnitten von der Zivilisation lebten sie in unglaublicher Idylle und Ruhe. Wenn es einen Platz gibt, an dem man Gott nahe kommen kann, dann hier! Einen Eindruck davon bekamen wir im größten und heute noch bewohnten Kloster Megalon Meteora.

Unseren ersten Abend in Griechenland verbringen wir in Kalambaka, einem Örtchen direkt unterhalb der Klöster.

7. Juli

Gerade fahren wir mit unserem Bus durch das Parnas-Gebirge, unser nächstes Ziel ist Delphi.

Wir kommen von den Thermopylen, dort haben wir Leonidas bewundert und das Grab der 300 Spartaner besucht. In der Schlacht bei den Thermopylen widerstanden 300 tapfere Spartaner dem riesigen Heer der Perser, starben jedoch schließlich für ihr Vaterland und für die Freiheit. Für uns heute eine romantische Vorstellung von grenzenloser Tapferkeit und unbesiegbarem Mut. Hat keiner der 300 Angst gehabt und gezögert, diesen aussichtslosen Kampf bis zum Ende zu kämpfen?

Am Grab dieser 300 setzten wir uns in den Schatten und lauschten Herrn Manchen, der mit seiner Gitarre für uns und für die 300 ein selbstkomponiertes und getextetes griechisches Lied über die Schlacht und die unbeugsamen Spartaner vortrug. Wir waren beeindruckt!

*später*

Hinter uns liegt die bis jetzt anstrengendste Station: Delphi. Delphi liegt am Rand des Parnas-Gebirges an einem Berghang und allein die Aussicht ist göttlich!

Faszinierend an Delphi ist die Vorstellung, dass der Ort vor so vielen Jahren ein Heiligtum für die Menschen der Antike war. Wir hecheln heute durch die Ruinen, fotografieren jede Ecke und lächeln überheblich, wenn wir von dem Vertrauen und Glauben der Menschen an die Orakelsprüche erfahren. Man muss versuchen zu vergessen, dass wir in einer ganz anderen Welt wohnen und nicht an Zeus und seine Götterkollegen glauben. Die Menschen damals hielten die Existenz ihrer Götter für wahr, sie orientierten sich an ihnen und bauten auf sie. Daher kamen sie nach Delphi nicht wie wir als Touristen, sondern mit dem tiefen Bedürfnis nach übernatürlicher Hilfe und Unterstützung.

9. Juli

Auf Wiedersehen Athen!

Ich bin dir gegenüber fast ein wenig sprachlos. Man weiß bei dir gar nicht, wo man anfangen soll! Zwei Tage lang hast du uns fest gepackt und kaum losgelassen.

Montagabend wurden wir ganz plötzlich aus unserem Bus heraus in die Großstadt Athen gestoßen. Den Abend durften wir alleine gestalten, ein Teil von uns verbrachte ihn mit Spielen im Hotel. Die anderen stürzten sich mutig ins abendliche Athen und bestaunten die beleuchtete Akropolis im Zentrum der Stadt.

Am nächsten Morgen begannen wir zeitig mit einer Stadtführung. Zusammen mit der super sympathischen Stadtführerin Maria durchquerten wir mit unserem Bus Athen und erfuhren viel vor allem über die moderne Geschichte Athens, über den rasanten Wachstum und die Entwicklung zur Großstadt im 19. Jahrhundert.

Aber die wahren Ausmaße wurden uns erst bewusst, als wir endlich auf der Akropolis standen und sich ein Häusermeer in alle Richtungen ergoss, als hätte ein Riese seine weißen Bauklötze im Tal ausgekippt.

Dort auf der Akropolis tauchten wir dann aber auch wieder tief in die Antike ein. Auf der Akropolis von Athen stehen drei Tempel, alle Athene gewidmet, der Schutzgöttin der Stadt. Die Tempel waren damals, wie auch viele andere antike Gebäude, nicht so schlicht majestätisch, sondern bunt bemalt - fast schon ein wenig kitschig. Heute schwer vorzustellen!

Nach dem Besuch des Akropolis-Museums waren wir dann alle kaputt und vollgestopft mit athenischer Geschichte. So viel Bildung!

Den restlichen Tag hatten wir dann komplett Freizeit und haben in kleinen Gruppen Athen erkundet. Nach dem Abendessen haben alle gemeinsam einen Spaziergang durch das nächtliche Athen unterhalb der Akropolis unternommen, ein Glas Wein getrunken, um dann schließlich zum Hotel zurückzusprinten und dort das Deutschlandspiel zu gucken! Und zum ersten Mal war es ein wenig schade, fernab vom deutschen Alltag zu sein, denn die Stimmung in Deutschland muss super gewesen sein!

Heute Morgen begaben wir uns dann auf die Agora. Auf der Agora ist heute nicht mehr sehr viel erhalten, nur Grundrisse und einzelne Mauern, Säulen und Steine. Doch wir schafften es, die antike Agora, den Marktplatz Athens, mit seinen Geschäften, Tempeln, Altären, Verwaltungs- und Ratsgebäuden wieder auferstehen zu lassen.

Die Agora war zum Beispiel die Bühne von Sokrates! Wie würden wir heute reagieren, wenn uns ein alter Mann auf der Straße mit einer Frage wie „was verstehst du unter Gerechtigkeit?“ ansprechen würde? Die Begegnung wäre für uns bestimmt ähnlich unangenehm gewesen wie für die Menschen der Antike. Dort auf der Agora ist Sokrates also spazieren gegangen, bis er eines Tages angeklagt wurde. Der Prozess fand vermutlich auch auf der Agora statt und das Gefängnis, in dem er den Schierlingsbecher lehrte, befand sich ebenfalls direkt neben der Agora.

Neben Sokrates sind natürlich auch viele andere Philosophen, z.B. die Stoiker, durch die Säulengänge geschlendert und haben ihre Lehren verbreitet.

Und heute sitzen wir Trierer hier, reden zunächst über die stoische Philosophie und halten dann unser eigenes Scherbengericht ab, mit dem wir abstimmen, den Athener Regierungschef Perikles nicht zu verbannen.

Wir verlassen die Agora und laufen hinauf zu dem Hügel auf dem der Areopag, das Gericht, tagte.

Athen hat uns gezeigt, wie modern, intelligent und organisiert die Menschen vor mehr als 2000 Jahren waren. Dabei ist das für uns so unvorstellbar lange her!

Danach freuen wir uns alle auf eine Ruhepause im Bus, mit dem wir uns mittags nach Tolo aufmachen.

*später*

Bevor wir Tolo erreichten, machten wir Halt in Korinth. Neben dem Kanal von Korinth besichtigten wir kurz die antike Stadt Korinth, in der früher bis zu 80 000 Menschen gewohnt haben!

Hier begegnet uns auch Paulus wieder; er hatte schon versucht uns auf dem Areopag in Athen von dem Glauben an den „unbekannten Gott“ zu überzeugen. Das ist ihm jedoch nicht gelungen, deswegen zieht er weiter nach Korinth. Nun steht er hier auf der Rednertribüne und erzählt leidenschaftlich von Gott. Leicht hat er es auch hier nicht, wir Korinther bekommen durch unseren Hafen neben weltlichen Gütern jederzeit Gedanken, Mentalitäten und auch Religionen von der ganzen Welt geliefert. Aber irgendwie fesselt uns Paulus doch und wir lassen uns in der neuen Gemeinde von Korinth taufen.

11. Juli

Kalimera! Es ist 9:20 und wir sitzen im Bus und durchqueren die Peleponnes Richtung Sparta. Die letzten zwei Nächte haben wir in Tolo verbracht, direkt am Meer!

Als wir abends ankamen mussten wir nach dem Essen natürlich direkt ins Wasser. Eine Bucht wird links und rechts von Bergen und Felsen begrenzt; das Wasser ist klar und schwappt fast bis an die Restaurants, Bars und Terassen, die sich den ganzen Strand entlang erstrecken.

Am nächsten Tag (also gestern) haben wir uns nach Mykene und Epidauros aufgemacht.

Die Burg Mykene, die Heimat Agamemnons!

Zusammen mit seinem Bruder Menelaos zieht er los, um Troja zu zerstören. Als Gewinner kommt er viele Jahre später zurück, schon von seinem Schiff aus kann er die Festung auf dem Berg erkennen. Mit seinen Leuten zieht er den Berg hinauf und betritt seine Burg durch das Löwentor. Lange vor Agamemnon haben die Zyklopen geholfen die Anlage zu bauen und stapelten die Mauern aus tonnenschweren Steinen.

Das Löwentor schließt sich nun hinter Agamemnon, endlich ist er zuhause! Leider wird er wenig später in seinem eigenen Badezimmer von seiner Ehefrau Klytaimnestra und ihrem Liebhaber umgebracht.

Wir verlassen den historischen Ort dieser Familientragödie, der einst so mächtig war.

Unsere nächste Station ist der Kurort Epidauros. Wie einst die Pilger und Patienten gehen wir durch den Bezirk mit seinen Tempeln, Sportanlagen und Brunnen. Mit Herr Manchens selbstgebrautem Heiltrank (nach antikem Rezept) sind wir jetzt vor Schlangenbissen geschützt.

Die antiken Heilmethoden sehen den Menschen als Ganzes, bei einer Krankheit sind daher immer Körper und Geist betroffen. Zur Heilung gehört deswegen auch das Theater, das unsere Pilgerreise durch Epidauros beendet.

Den Nachmittag haben wir frei und verbringen ihn selbstverständlich im Meer! Und auch heute Morgen bewundern ein paar von uns den Sonnenaufgang aus dem Wasser heraus.

*später*

Wieder im Bus schlafen die meisten, aber das ist schade denn sie verpassen eine tolle Aussicht auf die Berge. Wir befinden uns auf der Peleponnes, irgendwo zwischen Sparta und Olympia. Vermutlich hat Sparta schon dankbarere und respektvollere Besucher gesehen als uns. Aber es ist auch selber schuld, es stellt unsere müde Fantasie auf eine harte Probe!

Von hier aus ist Leonidas mit seinen 300 tapferen Kriegern losgezogen. Hier war das Zentrum eines mächtigen Staates – heute nur noch ein kleines Städtchen Neu-Sparta und ein paar Felsblöcke in der Sonne.

In derselben Ebene wie Sparta, jedoch nicht im Tal sondern auf einem Berg, liegt Mistras. Wir springen ein paar Jahrhunderte in der Zeit und verlassen die Antike, Sparta ist nur noch ein Haufen Ruinen, Neu-Sparta und Neu-Mistras gibt es noch nicht und ganz alleine thront die Stadt Mistras über der Landschaft. Wir befinden uns im byzantinischen Reich und unsere Stadt ist wirtschaftliches Zentrum des Reiches und sozusagen Konstantinopels rechte Hand in Griechenland. Bis zu 40 000 Menschen haben in den malerischen Häusern am Hang gewohnt, die ärmeren in der Unterstadt, die reicheren in der Oberstadt.

Noch etwas zeichnet unsere Stadt aus. Sie beherbergt viele Klöster und Kirchen und bei allen Machtwechseln, die sie erlebt hat, ist sie immer orthodox geblieben.

Erst vor knapp 200 Jahren beschlossen die Menschen ihre von Eroberungen und Bürgerkriegen zerstörte Stadt zu verlassen und sich im Tal anzusiedeln.

 

12. Juli

Die letzten Stunden auf griechischem Boden. Langsam kommt der Gedanke, dass es bald vorbei ist, aber wir lassen ihn noch nicht richtig zu.

Die letzte Nacht in Griechenland haben wir in Olympia verbracht und heute dann das berühmte Sportgelände besichtigt.

In der Antike waren Religion und Sport eng verknüpft, Sportspiele wie die olympischen waren immer den Göttern gewidmet. Fairness spielte keine Rolle und es zählte nur der Sieger. Pech für unsere armen Jungs, die das Wettrennen im olympischen Stadion gegen Matthias verloren.

Olympia zeigt uns mal wieder, wie modern die Menschen der Antike waren, teilweise folgenden Epochen vorraus.

Und damit ist unsere Besichtigungstour durch Griechenland auch schon zuende! Aber noch sind wir in Griechenland, noch geben wir in den letzten zwei Stunden unser restliches Geld für Souveniers aus, bevor es mit dem Bus Richtung Patras geht. Die Fahrt mit „unserem“ Bus durch Griechenlands Berge und Täler ist uns so vertraut geworden.

*später*

In der Antike strömten hunderte Menschen in die Stadien und Rennbahnen, jubelten und litten mit den Sportlern. Heute sitzen wir auf einer schwankenden Fähre und beobachten 22 Männer auf einem grünen Rasen, wie tausende Menschen auf der Welt. Noch immer lassen wir uns vom Sport begeistern.

 

13. Juli

Sitzt man auf dem Deck der Fähre bleibt die Zeit fast stehen.

Aber nur fast, denn sie rückt trotzdem unaufhörlich weiter, dem Montag und dem endgültigen Ende unserer Fahrt entgegen. Olympia, Epidauros, Mykene, Mistras, Sparta, Korinth, Athen, Delphi und Meteora haben uns längst wieder vergessen, sie bleiben in der Sonne Griechenlands und erzählen weiterhin jeden Tag den Menschen von dem Leben der Vergangenheit.

*später*

Deutschland ist Weltmeister!

Aber eine Weltmeister-Party sieht in Deutschland wohl anders aus als bei uns im Bus, ich glaube wir sind grade irgendwo in Italien, vielleicht auch schon in der Schweiz. Und nachdem unser Siegtor gefallen ist schlafen wir direkt ein.

 

14. Juli

Wie kann das sein? Noch eine knappe Stunde trennt uns von Trier und unserem Schüleralltag. Warum ging die Zeit so schnell vorbei?

An dieser Stelle fehlt eigentlich nur noch ein großes Dankeschön an unsere tollen Lehrer Herr Frisch, Frau Duttenhöfer, Frau Röser und Herr Manchen, die diese Fahrt mit viel Leidenschaft für uns gestaltet haben. Vielen Dank auch für Ihr Vertrauen in uns!

Wir haben 10 Tage Griechenland erlebt, haben Ruinen, Städte und Landschaften entdeckt, Hotels und Raststätten unsicher gemacht und hatten dabei eine Menge Spaß.

Diese Reise war für uns alle ein wundervolles Erlebnis, das uns für immer in Erinnerung bleiben wird.

Griechenlandfahrt 2012 - ein Reisetagebuch

Freitag, 8. Juni, ca. 17.00 Uhr
Knapp 20 aufgeregte junge Menschen stehen schwer bepackt im Nieselregen. Dann fährt der weinrote moderne Reisebus vor. Kaum zu fassen, wir reisen jetzt wirklich ab. Nach der Verabschiedung sitzen wir alle im Bus und bestaunen die luxuriösen Lederbezüge. In Frankreich nützen sie aufgrund der Kreisel, die uns schätzungsweise alle 40 Sekunden durchschütteln, relativ wenig, später allerdings garantieren sie einen einigermaßen bequemen Schlaf.
Uns wachsen immer höhere Berge entgegen, doch bei zunehmender Dunkelheit sind sie kaum noch auszumachen. Die Schweizer Grenze haben wir hinter uns gebracht, sind durch den Gotthard-Tunnel gebraust. Gegen Mitternacht wechselt der Busfahrer, in Bellinzona steigt Claude ein. Er wird uns im Verlauf der Fahrt als Buspilot ans Herz wachsen.
 

Samstag, 9. Juni
Die erste Nacht war ziemlich kurz. Umso schöner ist die italienische Landschaft um uns. In den Pausen kann man kaum zwischen Nebel und Regen unterscheiden, 20° C Außentemperatur.
In Ancona angekommen, können wir die Stadt selbst erkunden. Zahlreiche Renaissancebauten reihen sich aneinander, im Hintergrund der Industriehafen. Wir betreten die Fähre von Minoan Lines. Auf Deck und im Schlafsaal haben wir gemeinsam sehr viel Spaß. Die Zeit auf dem Meer vergeht wie im Flug, außerdem können wir abends glücklicherweise gemeinsam das EM-Spiel Deutschland-Portugal in der Schiffslounge ansehen.
 

Sonntag, 10. Juni
Wir erreichen Igoumenitsa, die Stadt am strahlend blauen Meer sieht fantastisch aus.
Durch das beeindruckende Epirus-Gebirge fahren wir nach Dodona, unserem ersten „richtigen“ Besichtigungspunkt.
Bei mehr als 30 ° C überqueren wir das Gelände der antiken Zeus-Orakelstätte, machen am Theater Halt und hören das Rauschen der Heiligen Eiche.
Von hier aus geht es weiter zu den sagenhaften Meteora-Klöstern, die schon aus weiter Entfernung am Horizont zu erkennen sind. Die Klöster sind einzigartig in ihrer Lage und nur durch Treppen zu erreichen. Sie sind ein besonderer Berührungspunkt zwischen Himmel und Erde.
Wir fahren ins Tal nach Kalambaka, wo unser erstes Hotel liegt. Auch von unseren Zimmern können wir noch die bizarren Felsformationen sehen. Lustige Kartenspiele mit zusammengesuchten Gartenmöbeln und die EM-Begegnungen verschönern unsere abendliche Freizeit.
Müde, glücklich und voller Eindrücke schlafen wir nach zwei Tagen zum ersten Mal wieder in einem richtigen Bett ein.
 

Montag, 11. Juni
Nach dem Frühstück brechen wir nach Delphi auf. Die Fahrt durch die thessalische Ebene ist an und für sich schon ein Erlebnis, doch dann erblicken wir die berühmte Orakelstätte. Die Luft flimmert vor Hitze und die Ruinen erstrahlen im gleißenden Licht der Mittagssonne. Wir erklimmen das im Hang liegende Gelände und betrachten die unterschiedlichen Tempelanlagen, außerdem finden wir den „Mittelpunkt der Erde“, der angeblich in Delphi lag und noch heute von einem speziellen Stein gekennzeichnet ist.
Am frühen Nachmittag verlassen wir Delphi und fahren in den Nachbarort Arachova. Im Winter ist das Dorf beliebtes Ziel von Skiurlaubern, deshalb wird auch uns oftmals der Kauf einer Pelzmütze oder eines Mantels trotz Temperaturen von 38° C empfohlen.
Noch am selben Abend erreichen wir über Theben, die Heimat des berühmten Oidipos, Athen, das uns schon allein bei der Ankunft durch sein ganz eigenes Flair beeindruckte.
 

Dienstag, 12. Juni
Am frühen Morgen erkunden wir Athen auf einer Stadtrundfahrt mit interessanten und lebendigen Erläuterungen einer einheimischen Reiseführerin.
Wir besteigen die Akropolis und finden uns vor dem Parthenon wieder. Jeder hat nun etwas Zeit, um auf dem berühmten Hügel mitten in Athen eigene Eindrücke zu sammeln. Danach besuchen wir gemeinsam das moderne, architektonisch einzigartige Akropolis-Museum.
Die Freizeit am Nachmittag wird zum gemütlichen Essen, Andenken-Kaufen und Postkarten-Schreiben genutzt.
Zuerst sehen wir uns im Hotel das EM-Spiel Griechenland-Tschechien an, später geht beinahe die gesamte Gruppe erneut in die Altstadt, wo wir einen wunderschönen Abend in einer typisch griechischen Taverne verbringen. Dieser Ausflug wird zu einem der Highlights der gesamten Fahrt.
 

Mittwoch, 13. Juni
Heute beginnen wir mit dem Programm etwas später, noch müde vom vorangegangenen Tag. Die Agora, der antike Marktplatz, wird am heißesten Tag der Woche besichtigt. Wir besuchen die renovierte Attalos-Stoa und das dazugehörige Museum mit Scherben-Resten des alten „Ostrakismos“, sehen den Areopag und das Dionysos-Theater, wo Aischylos, Sophokles und Euripides unterhalb der Akropolis ihre Stücke aufführten.
Am Mittag verlassen wir Athen endgültig und fahren Richtung Korinth. Wir machen am Isthmos, der Engstelle des Kanals von Korinth, Halt und genießen die Aussicht.
Nun geht es weiter nach Tolo, wo unser Hotel direkt am Meer liegt.
Sofort nutzen wir alle die verbliebene Zeit des Tages und genießen die Sonne, das Wasser und den Strand.
In einer kleinen Taverne mit zum Meer geöffneter Terrasse sieht ein Teil der Gruppe das Fußballspiel Deutschland-Holland ( 2:1). Da der nächste Tag jedoch früh beginnen sollte, heißt es danach für alle gleichermaßen „schlummern“.
 

Donnerstag, 14. Juni
Mykene ist unser heutiges Ziel. Wir durchschreiten das berühmte Löwentor der antiken Festungsanlage, wo Agamemnon angeblich seinen Tod fand. Oben im Palast stehen wir vor dem Raum, der als „Bad“ gekennzeichnet ist: Hier soll Klythaimnestra mit ihrem Liebhaber Aigisthos den heimkehrenden Agamemnon ermordet haben. Der Mythos wird lebendig! Abenteuerlich wird es, als wir in eine Zisterne hinabsteigen, die bis zum heutigen Tag  nicht beleuchtet wird.
Von hier aus fahren wir nach Epidaurus. Der antike Kurort mit den Asklepios-Heiligtümern und den Stätten für den „Heilschlaf“ versetzen uns in Staunen. Zum Abschluss verbildlichen Schüler der DS-Kurse das Griechenland-Gedicht von Günther Grass im antiken Theater mit seiner einzigartigen Akustik.
Am späten Nachmittag und am Abend nutzen wir wieder die Nähe zum Meer und verbringen diesmal, mit einem Großteil der Gruppe einschließlich der Lehrer, einen schönen Abend in derselben Taverne wie am Vortag und sehen gleichzeitig die torreiche Partie Spanien-Irland ( 4:0) an, begleitet vom Meeresrauschen im Hintergrund.
 

Freitag, 15. Juni
Endgültig müssen wir Tolo hinter uns lassen, um am Vormittag Mistras, eine der bedeutendsten mittelalterlichen Städte zu erreichen. Wir steigen zur Festung hinauf, zwischen deren Eingang und dem unteren Stadttor 300 steile Höhenmeter liegen. Wir besichtigen außerdem viele orthodoxe Kapellen und Kirchen, deren Fresken aus dem 13. Jahrhundert teilweise noch gut erhalten sind.
Danach fahren wir durch Sparta, die Heimat der einstigen Militärgroßmacht. Ein Referat informiert uns ausführlich über den Alltag in der spartanischen Gesellschaft.
Am Nachmittag können wir unser letztes Hotel in Olympia beziehen. Der Pool auf der Terrasse wird direkt von uns allen in Anspruch genommen, auch der Abend wird im Becken oder auf der danebenliegenden Terrasse verbracht.
 

Samstag, 16. Juni
Zu Fuß gehen wir zu den Ruinen Olympias. 776 v. Chr. sollen hier die ersten Spiele stattgefunden haben. Im wunderschönen Licht der Morgensonne erkunden wir das weitläufige Gelände. Wir stehen an dem Ort, an dem heute mittels eines Brennspiegels das olympische Feuer entzündet wird. In der Antike gab es dann übrigens noch nicht, erst 1936 bei den Spielen in Berlin wurde dieses Ritual eingeführt. Natürlich wird das vorhandene Stadion für ein Wettrennen der Männer unserer Gruppe genutzt. Sieger Fabian Baro erhält eine Erinnerungsmedaille.
Von hier brechen wir nun nach Patras, unserer letzten Station in Griechenland auf. Während wir auf die Fähre warten, bleibt noch Zeit für einen leckeren Cappuccino Freddo oder den Kauf von Verpflegung für die Schifffahrt.
Auf der Fähre können wir dann am Abend das EM-Spiel Griechenland-Russland (1:0) ansehen. Dies wird, aufgrund der Leidenschaft einiger bzw. eines griechischen Fans, zu einem weiteren wunderbaren Erlebnis.
 

Sonntag, 17. Juni
Die Zeit auf der Fähre wird von einigen ausgenutzt, um ihre Fähigkeiten im Skat aufzubessern, andere hingegen nutzen ein letztes Mal die Sonne aus, um schließlich doch noch einen Sonnenbrand zu bekommen.
Auch die Parlamentswahl der Griechen erleben wir voller Spannung live mit, schließlich sind uns Land und Leute in Hellas mittlerweile ans Herz gewachsen. Am Abend im Bus gelingt es unserem Busfahrer Claude sogar noch, das Fußballspiel Deutschland – Dänemark zu zeigen, wobei der Sieg von uns lautstark gefeiert wird.
 

Montag, 18. Juni
Einige wenige wachen morgens gegen 5 Uhr auf und blicken aus dem Fenster. Der Vierwaldstättersee bei Sonnenaufgang ist unglaublich schön. Gegen 11 Uhr erreichen wir Trier und können unsere Lieben endlich bzw. leider wieder in die Arme schließen. 
Was ist nun schlimmer, Heimweh oder Fernweh? Ich weiß es nicht. Aber ich bin mir sicher, das wir alle die Fahrt sehr genossen haben und unseren Begleitern Frau Duttenhöfer, Herrn Frisch und Frau Leiter, aber auch unseren Mitschülern und den Griechen, die uns sehr freundlich empfangen haben, dankbar sind für alle Erfahrungen, die wir in den letzten Tagen sammeln durften! 

Sophie Meurer
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Griechisch- und Lateinschüler: Studienreise nach Griechenland (Juni 2012)

Uraufführung in Epidauros! 
„Dem Chaos nah, weil dem Markt nicht gerecht, bist fern Du dem Land, das die Wiege Dir lieh.“
Mucksmäuschenstill ist es im altehrwürdigen Theater von Epidauros, als Günter Grass´ Gedicht „Europas Schande“ erklingt. Dank der ausgeklügelten Akustik ist jedes Wort auch in der obersten Reihe des rieisgen Rundes zu hören. Die Inszenierung durch den Grundkurs „Darstellendes Spiel“ war zugleich Uraufführung und Highlight der 10tägigen Studienfahrt, die die Griechisch-Schüler des FWG mit finanzieller Unterstützung der FWG-Stiftung „res et verba“ ins alte Hellas führte.
 
Durch Lektüre, Referate und Filme hatte sich die Gruppe gezielt auf die Rundreise vorbereitet, die getreu dem alten Indianer-Motto „Reise nicht so schnell, damit deine Seele nachkommt“ mit Bus und Fähre durchgeführt wurde. Diese „entschleunigte“ Art des Reisens erlaubte nicht nur atemberaubende Ausblicke auf die vielfältige Landschaft Griechenlands mit ihren zerklüfteten Gebirgsketten, Ebenen voller Oliven- oder Orangenhainen und malerischen Buchten und Stränden, sondern erleichterte auch ein sukzessives Verarbeiten der unzähligen Eindrücke und Erlebnisse.
Mit jedem Einblick in die antike Welt wuchs dabei der Respekt der Schüler vor der Leistung der alten Griechen.
  Schwerpunkte des Besichtigungsprogramms waren neben den griechischen Orakeln in Dodona (B7) und Delphi die Klassiker Athen (mit Akropolis und Agora - B 1,2,3,8), Mykene (Burg des Agamemnon mit Löwentor) und Epidauros (antikes Kurzentrum - B9). Im wohl berühmtesten Theater der Welt überzeugten Kartini Reichardt als Europa, Christoph Braun als gedemütigtes Griechenland und Alexander Spies als Sprecher – Günter Grass´ Gedanken zur aktuellen Notlage von Hellas wurden beeindruckend auf die Bühne gebracht (B 4). 
Einmal im Stadion zu Olympia einen Wettlauf austragen – für die FWG-Schüler erfüllte sich auch dieser Wunsch. Gewinner Fabian Baro erhielt zur Erinnerung an seinen ersten Olympiasieg eine Siegesplakette überreicht.
  Das griechische Mittelalter wurde beim Besuch der Meteora-Klöster und der byzantinischen Festungsstadt Mistras lebendig.
Die atemberaubende Kulisse von „Meteora“, den schwebenden Klöstern, dem Himmel so nah, warf die Frage auf, warum die ungewöhnliche Felsformation in keiner einzigen antiken Schrift erwähnt sind, wo doch die Griechen ansonsten jede Besonderheit der Natur mit ihrer Götterwelt in Verbindung brachten!
  Vorträge über Politik, Geographie und Wirtschaft Griechenlands beleuchteten auch die aktuellen Probleme des alten Kulturlandes. Von politisch unsicheren Verhältnissen jedoch war nichts zu spüren, im Gegenteil: Die Schülergruppe war begeistert von der Gastfreundlichkeit, mit der sie ganz im Sinne der alten griechischen „Philoxenia“ überall empfangen wurde. So fiel der Abschied eher wehmütig aus und alle waren sich einig: Diese Studienreise war ein nachhaltiges Bildungs- und Gemeinschaftserlebnis, das dem altsprachlichen Unterricht eine neue, tiefere Dimension verlieh.
Josef Frisch