Mitarbeiter der Refugee Law Clinic Trier berichten über ihre Aufgaben in der Beratung von Flüchtlingen

Zwei ehrenamtliche Mitarbeiter der Refugee Law Clinic Trier stellten sich in einem Gespräch den Fragen des Leistungskurses Sozialkunde der 11. Jahrgangsstufe rund um das Thema Asyl und Flucht sowie die Arbeit im Verein.

Zwei Jurastudenten, die ehrenamtlich bei der RLC arbeiten, kamen am Ende des ersten Halbjahres an unsere Schule, um den Schülern des Sozialkunde-Leistungskurses der Jahrgangsstufe 11 ihre Fragen zu beantworten. Dabei ging es um die Arbeit im Verein, den Umgang mit Asylsuchenden in der Beratung sowie um Allgemeines zum Thema Flucht und Asyl.

Im Unterricht erarbeitete Themen und entwickelte Fragen wurden im Gespräch genutzt, um sie mit den Mitarbeitern des Vereins zu diskutieren. Auch wurden wir darüber informiert, was der Verein tut und wer mitarbeitet. Die RLC ist ein gemeinnütziger, überparteilicher Verein, der Flüchtlingen eine kostenlose Rechtsberatung im Asyl- und Ausländerrecht anbietet. Zusätzlich unterstützen sie Asylsuchende bei sonstigen rechtlichen Herausforderungen. Hauptsächlich wird die Organisation von Trierer Studierenden geleitet. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass das Ziel der RLC ist, jedem Asylsuchenden den Zugang zu geltendem Recht zu ermöglichen, nicht aber zwingend dazu zu verhelfen, einen Aufenthaltstitel zu erhalten. Außerdem möchte der Verein für das Thema Flucht und Asyl sensibilisieren und Rassismus abbauen. Seit die RLC im Juni 2016 mit Beratungen begonnen hat, fanden davon rund 140 statt. Bei den meisten handelt es sich um Fragen zum Familiennachzug.

Das Gespräch hat dem Kurs viele neue Informationen gegeben sowie Einblicke in die Arbeit der RLC ermöglicht.

 

Moritz Christmann (MSS 11)

„Mein bester Freund wohnt auf der anderen Seite“

Stephan Krawczyk, Symbolfigur der DDR-Bürgerbewegung, bot Oberstufenschülern am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium einen eindrucksvollen Einblick in die Lebensrealität der DDR.

Einen ganz besonderen Blick auf die Geschichte und den Alltag in der DDR erhielten die Schüler der 11. und 12. Jahrgangsstufe am 7. Dezember, als sie eine Konzertlesung mit dem Liedermacher und Autor Stephan Krawczyk am FWG erleben durften und so von Erlebnissen und Emotionen eines Zeitzeugen erfuhren, die sie meistens nur aus Schulbüchern kennen. In einer vielfältigen Mischung aus autobiografischen Schilderungen, der musikalischen Auseinandersetzung und dem Vortrag einer fiktionalen Erzählung vermittelte Krawczyk ein anschauliches Bild seines Lebens und dem vieler Zeitgenossen in der DDR.

In Orientierung an seinen Lebenslauf stellte der im Jahr 1955 geborene Liedermacher seine DDR-typische Sozialisation vor, zu der beispielsweise die Mitgliedschaft bei den Jungpionieren, der DDR-Kinder- und Jugendorganisation, und der FDJ-Singbewegung sowie der Parteimitgliedschaft in der SED gehörten. Er selbst bezeichnete sich während des Vortrags als „Mitläufer mit dem System“, der erst während seines Wehrpflichtdienstes vom „gelernten DDR-Bürger“ zum Systemkritiker wurde. Dabei half ihm das Gitarrespielen, bei dem es ihm zuerst vorrangig ums Musizieren, später auch um das „Schaffen eines Traumraumes“ gegangen sei, so Krawczyk. Kostproben dieses musikalischen Schaffens, an dem sich auch seine Entwicklung zum Systemkritiker ablesen lässt, gab er unter anderem mit den Liedern „Iglu auf dem Eskimond“ oder „Das Lied vom Clown“.

Als seine Texte dann immer politischer und kritischer geworden seien und er sich beispielsweise mit Reise- oder Meinungsunfreiheit befasst habe, so Krawczyk, habe man ihm Mitte der 80er Jahre seine Künstlerzulassung entzogen. So blieb ihm als einzige Möglichkeit, sein künstlerisches Schaffen öffentlich zu präsentieren, der Auftritt in Kirchen. Nichtsdestotrotz zog er die Aufmerksamkeit der Stasi auf sich, sicherlich befördert durch seinen Parteiaustritt, den er im Song „Es geht so lange gut, solange es gut geht“ reflektiert. Sehr anschaulich beschrieb Krawczyk dem Publikum die Stasi-Methoden, mit denen er konfrontiert war: Neben der Verwanzung der Wohnung und der Überwachung seines Telefons schilderte er den Versuch der Stasi, ihn und seine damalige Frau, Freya Klier, mittels der Kontamination des Autos mit Nervengift „zu beseitigen“. Nach seiner Festnahme und 16 Tagen Inhaftierung in Hohenschönhausen wurde er vor die Wahl gestellt, entweder in den Westen abgeschoben zu werden oder für zwölf Jahre im Gefängnis zu bleiben. So kam es dazu, dass der Liedermacher im Jahr 1988, also ein Jahr vor dem Fall der Mauer, nach Westdeutschland abgeschoben wurde.

Eindrücklich und besonders lohnenswert für Jugendliche, die in Westdeutschland geboren sind und wegen ihres Alters wenige Berührungspunkte mit der DDR-Historie haben, war auch der Vortrag der Erzählung „Mein bester Freund wohnt auf der anderen Seite“: Aus der Perspektive eines westdeutschen Jugendlichen beschreibt Krawzcyk dessen Wahrnehmung Ost-Berlins im Rahmen zweier Besuche dort, bei der sich eine Freundschaft mit einem ostdeutschen Jungen entwickelt, die sich dank des Mauerfalls festigen konnte.

Im Anschluss an die Konzertlesung stand der Liedermacher den Zuhörern für Fragen zur Verfügung. Hier entwickelte sich ein lebendiger Austausch, in dem Krawczyk weitere Einblicke in sein Leben bot, gleichzeitig auch den ein oder anderen kritischen Blick auf die Situation der derzeitigen Demokratie in Deutschland richtete. Die rege Beteiligung zeigte, wie sehr es Stephan Krawczyk gelungen ist, die Oberstufenschüler mit seinen offenen und berührenden Darstellungen in einem vielfältigen und abwechslungsreichen Format zu beeindrucken.

Die vom Fachbereich Sozialkunde organisierte Veranstaltung wurde finanziell und organisatorisch gefördert von der Konrad-Adenauer-Stiftung, die dem FWG bereits eine Ausstellung zum Thema DDR-Alltagswelt bereitgestellt hatte.

Christiane König

 

 

Stimmen aus der Schülerschaft zur Konzertlesung

Fabian Sponholz, MSS 12: „Gut gefallen hat mir vor allem die Erzählung aus seinem Leben, da sie spannend war und ich mir ein gutes, wenn auch angsteinflößendes Bild von den Umständen in der DDR machen konnte. Auch die musikalischen Einlagen waren unterhaltsam und haben mir gut gefallen. Einziger Kritikpunkt wäre vielleicht die Länge seiner Leseprobe, wobei die mich persönlich nicht so stark gestört hat, da auch diese spannend war.“

Marieke Scheithauer, MSS 11: „Ich fand die Lesung unterhaltsam und vor allem dank der Gesangseinlagen außerdem sehr abwechslungsreich. Obwohl ich persönlich nicht viel Neues über die DDR lernen konnte, denke ich, dass Stefan Krawczyk für einen interessanten und kritischen Blickwinkel auf die DDR seitens seiner Zuhörer gesorgt hat.“

Gabriel Schild, MSS 12: „Stephan Krawczyks beeindruckende Lebensgeschichte wirft Fragen auf: Können wir uns glücklich schätzen, in einem demokratischen Rechtsstaat zu leben, in dem niemand fürchten muss, Opfer einer von der eigenen Regierung angeordneten Nervengiftattacke zu werden? Oder sind wir angepasste Produkte unseres Systems, das uns mit all seinen alltäglichen Annehmlichkeiten einlullt und uns so die Fähigkeit nimmt, es zu hinterfragen?“

Kinobesuch „Gundermann“

„Gundermann“ zwischen Ideal und Wirklichkeit - eine Filmrezension

Braunkohlebergwerk und die große Bühne, Arbeiter und Liedermacher, zwei Dinge, wie sie widersprüchlicher nicht sein könnten. Und genau das ist es, was Gerhard Gundermann prägt, ein Leben voller Widersprüche. Gundermann, gespielt von Alexander Scheer, war Kommunist mit großen Zielen und klarer Meinung. Ein Bergarbeiter, ein Liedermacher, ein Familienvater und ein Spitzel der Stasi. Mit „Gundermann“ erschaffte Andreas Dresen einen Film, der zeigt, wie ein Liedermacher der 70er Jahre zum Spion seiner Freunde und Mitmenschen wird. Einen Film, der Liebe, Leidenschaft und Verrat in einem Spannungsfeld zwischen den 70er Jahren in der DDR und den 90er Jahren, während der Nachwendezeit, vereint, aber leider auch für viel Verwirrung und Unklarheit sorgt. Für einen Einblick in die Welt der damaligen DDR-Spitzel ist „Gundermann“ sicher zu empfehlen. Durch häufig unklar gebliebene Zeitsprünge und teilweise funktionslose Figuren fordert der Film jedoch auch höchste Konzentration und Interesse von seinem Zuschauer.

Marieke Scheithauer, MSS 11

 

Bildquelle: presse.pandorafilm.de/list.php

Zwischen „Ostalgie“ und Unrechtsstaat

Mit Erzählungen von ihrem ersten DDR-Besuch im Rahmen eines kirchlichen Austauschs und von ihren Eindrücken einer Reise in die neuen Bundesländer unmittelbar nach dem Mauerfall schilderte Schulleiterin Bärbel Brucherseifer den anwesenden Schülerinnen und Schülern des Sozialkunde-Leistungskurses der 11. Stufe und dem Geschichte-Grundkurses der 12. Stufe ihre ganz persönlichen Erlebnisse anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „DDR: Mythos und Wirklichkeit“ am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium.

Insgesamt vier Wochen hat die Schülerschaft die Möglichkeit, sich über die Deutsche Demokratische Republik zu informieren und die von der damaligen Staatsführung verbreiteten und bis heute noch vernehmbaren Mythen als solche zu entlarven. So wird beispielsweise die DDR als vermeintlich saubere Sportmacht entzaubert, die Versorgungssituation der Bevölkerung wird kritisch beleuchtet oder es wird die mangelnde Chancengleichheit eines vereinheitlichenden Bildungssystems, das auf kommunistische Erziehung angelegt war und durch Massenorganisationen gestützt wurde, betrachtet. Die Ausstellung, die von der Konrad-Adenauer-Stiftung zur Verfügung gestellt wurde, wird im Unterricht von den Lehrern der Fächer Sozialkunde und Geschichte genutzt, um zum Beispiel eine von Schülern gestaltete Führung zu organisieren und Kennzeichen demokratischer und diktatorischer Systeme zu erfassen und herauszuarbeiten. Außerdem ist es ein Anliegen der Ausstellung, das demokratische Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler zu stärken in dem Wissen, dass in der Bevölkerung ein facettenreiches Bild der DDR existiert, das von nostalgischer „Ostalgie“ reicht bis zur Wahrnehmung des Staates als Unrechtssystem.

Die von der Fachschaft Sozialkunde organisierte Ausstellung ist noch bis zum 7. September 2018 im Foyer des Gymnasiums zu besichtigen.

 

Christiane König

Unbegleitete minderjährige Ausländer in Trier – Sozialkunde Exkurs

 In den letzten Wochen hat sich der Sozialkunde Leistungskurs der Jahrgangsstufe 11 mit einer sehr aktuellen Thematik beschäftigt – den unbegleiteten minderjährigen Ausländern in Trier.

Wir Schüler/innen wurden in verschiedene Gruppen eingeteilt und durften uns selbstständig einen Schwerpunkt in Bezug zu den unbegleiteten minderjährigen Ausländern (um A’s) setzen. Nach eingehender Recherche wurden verschiedene Begehungsorte festgelegt und Kontakt mit Ansprechpartnern aus unterschiedlichen Institutionen aufgenommen.
Die einzelnen Gruppen befassten sich zum einen mit den Parteien im Stadtrat, wie sie zu den um A’s und den damit verbundenen Maßnahmen stehen und was sie verbessern wollen würden. Hierbei wurden Zuständige der CDU, der Grünen und der Linken per E-Mail befragt. Zusätzlich interviewte die Gruppe Herrn Frisch von der AfD und Herrn Stöckle-Jacob von der SPD persönlich bezüglich der oben genannten Punkte. Eine andere Gruppe befasste sich mit der Unterkunft Walzwerk in Trier Kürenz für minderjährige unbegleitete Ausländer, welche besichtigt wurde. Hierbei wurde auch die Chance genutzt, mit Frau Ahweiler, einer dort zuständigen Betreuerin, und zwei dort lebenden Jungs zu sprechen. Die dritte Gruppe hatte sich den Schwerpunkt der Sprachförderung für die umA’s gesetzt und Kontakt zu einer Kindergärtnerin, die auch mit Flüchtlingskindern arbeitet, und einem zuständigen Mitarbeiter vom Palais e.V. gesprochen. Eine weitere Gruppe besuchte die Flüchtlingsunterkunft in der Dachsbachstraße in Trier und befragte dort ebenfalls ein paar Flüchtlinge bezüglich ihres Weges nach Deutschland und wie Deutschland in ihrem Herkunftsland seit den Flüchtlingswellen dargestellt wird. Zudem hat diese Gruppe auch Herr Niesen vom Jugendamt Trier telefonisch zu der Thematik befragt.

Nachdem die Erkundungsorte besichtigt, die jeweiligen Ansprechpartner interviewt und die Informationen in der Gruppe zusammengetragen waren, begannen wir einen Plan zu erstellen für eine uns zur Verfügung stehende Pinnwand, die zur Visualisierung unserer Ergebnisse dienen sollte.
Arbeitsteilig wurde diese Pinnwand geplant, zusammengestellt und visualisiert, sodass wir am Montag, den 06.02.2017, unsere Ergebnisse kursintern im Foyer unserer Schule vorstellen konnten.

Dieses selbstständige Arbeiten auch außerhalb der Schule hat allen Schülern sehr zugesagt und ein großes Dankeschön geht an dieser Stelle an alle beteiligten Ansprechpartner, die uns Rede und Antwort gestanden und sich Zeit für uns genommen haben.

Anna Lea Holzem

Projekttagen für Vielfalt, Fairness und Toleranz - Sozialkunde-LK 11 nahm teil

Blut muss fließen – ein (rechts-)radikaler Liedrefrain unter vielen! Damit setzte sich der Sozialkunde-Leistungskurs 11 bei den Projekttagen für Vielfalt, Fairness und Toleranz auseinander.

Blut muss fließen – ein ungewöhnlicher Aufmacher für den Titel eines Artikels auf der FWG-Homepage. Jedoch werden diese drei Worte noch verstörender, sobald man ihren Hintergrund kennt: Der Titel Blut muss fließen bezieht sich auf den Refrain des zitierten antisemitischen Lieds Blut, welches zum festen Repertoire vieler rechtsextremer Bands gehört und Repräsentations- oder Identitätssymbol der radikalen Kreise ist. Thomas Kuban, ein deutscher Journalist, der nur unter Pseudonym in der Öffentlichkeit auftritt, war jahrelang verdeckt in der Rechtsrock-Konzertszene unterwegs und filmte bei diversen Konzerten, Szenetreffen und anderen Gegebenheiten, an denen Neonazis zueinander finden. Gemeinsam mit dem Regisseur Peter Ohlendorf veröffentlichte er 2012 einen Film mit obigem Titel, der einen Zusammenschnitt aus Kubans jahrelanger Arbeit enthält. In Kubans und Ohlendorfs gemeinsamem Film wird deutlich, dass das Phänomen der rechten Szene nicht zu unterschätzen ist und häufig gerade mit Musik ein erster Schritt zum Eintritt in die Szene getan wird. Zunächst gefällt den jungen Menschen die Rockmusik, ohne genau auf die Liedtexte zu achten – irgendwann kann es dann sein, dass sie, ohne genau nachzudenken, damit sympathisieren oder zumindest die Texte akzeptieren und sie keineswegs kritisch hinterfragen oder sich von ihnen distanzieren. Als Rahmenhandlung werden die verdeckten Dreharbeiten und gesellschaftlichen und politischen Hintergründe dokumentiert. Der Film kritisiert auch Sicherheitsbehörden, die selten einschreiten, und politische Relativierung von Rechtsrock, stellt aber Bürgerinitiativen vor, die sich erfolgreich gegen Rechtsrock gewehrt haben.

Im Nachgang zur Vorstellung des Films im Trier Kino „Broadway“ am 03.02.2015 fand am Nachmittag eine Podiumsdiskussion zur Thematik des Films im Rokoko-Saal des kurfürstlichen Palais statt, an der Vertreter aus Verwaltung, Polizei und Schulleben sowie der Regisseur des Films, Ohlendorf, teilnahmen. Innerhalb von eineinhalb Stunden wurden viele Themen angesprochen, welche eher entfernt mit dem Film zu tun haben, aber dennoch wichtig sind.

Sobald das Wort „Nazis“ fällt, denken viele Menschen an die NPD. Die NPD ist eine Partei, die nicht verboten ist und somit das Recht hat, an sämtlichen Wahlen als Partei anzutreten. So wird sie auch, wie im Parteiengesetz vorgesehen, entsprechend den Ergebnissen der Wahlen und eingegangener Spenden vom Staat teilfinanziert. Eine Vorstellung, die vielen Menschen zuwider ist und die Forderung nach einem Parteiverbot auf den Plan ruft, der sich auch Angelika Birk, Triers Bürgermeisterin und Podiumsmitglied, anschloss. Ein weiteres Podiumsmitglied, Schüler am FSG, äußerte sich hingegen kritisch, da seiner Auffassung nach zwar eine Partei verboten, nicht aber gleichzeitig Einstellungen verhindert werden können. Ein Parteienverbot ist auch nicht ohne weiteres umzusetzen, da es hohe Hürden gibt und ein Vorgehen gegen die Grundwerte unseres Grundgesetzes nachgewiesen werden muss.

Um die Thematik von Bands und Musik aufzugreifen, kam man auf die „Böhsen Onkelz“ zu sprechen und auf die Frage, wie die Haltung dieser Gruppe einzuordnen sei. Der Band wurde in ihrer ersten Schaffensphase die Verbreitung rechten Gedankenguts nachgewiesen, jedoch distanzierte sich die Band davon und zog sich später aus dem aktiven Musikgeschäft zurück. Ohlendorf wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Band bei ihrer Rückkehr im vergangenen Jahr ein gemeinsames Promobild im Internet veröffentlicht habe, auf dem als Rest einer ansonsten verdeckten Zahlenkombination nur die Zahl 88 zu sehen gewesen sei. In einschlägigen Kreisen wird die 88 als verdecktes Symbol für den Hitlergruß verwendet, da die 8 der achte Buchstabe im Alphabet ist (= H). Für Ohlendorf stellt sich hier die Frage nach der Einstellung der Gruppe eigentlich nicht.

Man könnte die Liste der diskutierten Themen noch um einiges erweitern, jedoch wollten wir nur einen kurzen, aber prägnanten Einblick in unseren Projekttag bieten.

Abschließend können wir stellvertretend für unseren Kurs nur sagen, dass uns dieser Aktionstag sehr gut gefallen hat und er auf interessante, aber erschreckende Art und Weise gezeigt hat, wie es in der täglichen Realität um die rechte (Musik-)Szene bestellt ist.

Eva Beyenburg-Weidenfeld und René O.L. Mannola (11SK1)

So wird Politik gemacht - unsere Zehnklässler im Mainzer Landtag (9-2014)

So wird Politik gemacht – Zehntklässler besuchen den Mainzer Landtag und debattieren über Tierversuche

Wie werden aus Ideen und Meinungen politische Entscheidungen? Welchen Handlungsrahmen hat ein Abgeordneter, wenn er sich zwischen zwei gegensätzlichen Positionen entscheiden muss? Wo findet politisches Entscheiden statt?

Eine Antwort auf diese Fragen erhielten die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen, als sie im September im Rahmen des Sozialkundeunterrichts den Landtag in Mainz besuchten und dort an einem Rollenspiel zum Thema „Komplett-Verbot von Tierversuchen“ teilnahmen. Hierzu schlüpften sie in die Rolle von Abgeordneten und fanden sich in Fraktionen zusammen. Es galt nun, die Fraktionsposition unter Bezugnahme auf eine Fülle an Materialien auszuarbeiten – dabei fiel es einigen gar nicht so leicht, eine Ansicht zu übernehmen, die nicht der eigenen Meinung entspricht. Anschließend nahm die ganze Gruppe den Plenarsaal des Mainzer Landtages ein, um in einem Schlagabtausch die sehr kontroversen Positionen zu Tierversuchen darzulegen. Zentrale Fragen des Lebens wurden hier diskutiert: Wie hoch ist der Wert menschlichen Lebens im Vergleich zu tierischem? Ist es schlimmer, ein Tier zu Forschungszwecken zu nutzen, als sich von ihm zu ernähren? Wie können wir die Menschheit vor der Ausbreitung von Krankheiten schützen? Nach einer sehr emotionalen Debatte wurde eine Abstimmung für die Gesetzesinitiative der Regierungsmehrheit durchgeführt, die darin bestand, Tierversuche zu medizinischen Zwecken weiterhin zuzulassen. Aufgrund der Fraktionsdisziplin stimmte die Mehrheit für dieses Gesetz, wenngleich sich in der anschließenden zweiten Abstimmung, also losgelöst von der Fraktionsdisziplin, herausstellte, dass eine Vielzahl der Schülerinnen und Schüler selbst anders entschieden hätte.

Insgesamt brachte der Besuch den Zehntklässlern einen vertieften Einblick in parlamentarisches Arbeiten und demokratisches Entscheiden. Besonders ertragreich war es, die Debatte im späteren Sozialkunterricht auszuwerten, um Unterschiede zwischen Rollenspiel und tatsächlichem Entscheidungsprozess zu erkennen: So finden zum Beispiel in der Realität zahlreiche Ausschusssitzungen statt, die eine solche Beratung von der ersten bis zur dritten Lesung im Parlament begleiten und in denen alle Fraktionen Einfluss auf die Ausgestaltung des Gesetzes nehmen können. Auch wurde deutlich, dass Plenardebatten für die Opposition von besonderer Bedeutung sind, um die von der Regierungsmehrheit abweichende Position öffentlichkeitswirksam darzustellen.

Dieser Tag des Lernens am außerschulischen Ort ermöglichte es allen Schülerinnen und Schülern, das Funktionieren des politischen Systems am Beispiel der umstrittenen Frage nach Tierversuchen nicht nur nachzuvollziehen, sondern vor Ort zu erleben.